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Als ich intensiv mit Yoga anfing, lagen im Raum Schaffellmatten aus, die Gruppe bestand bunt gemischt aus Studenten und Rentnern, wir haben eher statische Asanas geübt und fühlten uns gut nach der Stunde. Solche Yogastunden gibt es auch immer noch. Doch Yoga kann mittlerweile so vieles sein. Im Zeitalter von Facebook und Instagram entsteht leicht der Eindruck, Yoga besteht nur aus akrobatischen Posen und wer nicht mindestens 3 Minuten auf einem Bein stehen kann, der kann auch gleich zu hause bleiben.

Die entscheidende Frage für mich ist, entsteht mir persönlich durch eine Asana Mehrwert? Oder anders ausgedrückt, bin ich ein besserer Mensch, wenn ich in der Kobra meine Füße an den Hinterkopf bringe oder stehendes Spagat kann? Und meine Antwort ist Nein, ich denke nicht. Kann ich auch beides nicht (mehr).

Grade im Mama-Alltag, wenn ich eh schon kaum Zeit für meine Yogapraxis habe, bringt es mir gar nichts, mich in ungewöhnliche Posen zu quetschen. Da geht es mir mehr darum, bei mir zu bleiben, den Atem fließen zu lassen und in der kurzen Zeit, die ich habe, ganz in mir anzukommen.

Im ersten Babyjahr war auch nicht daran zu denken, mal in ein Yogastudio zu gehen oder selber länger zu üben. Erst war es mir körperlich nicht möglich, dann fehlte es einfach an Betreuung und Baby wollte eh nicht lange ohne Mama sein.

Mittlerweile gehe ich wieder ab und zu in Stunden und freue mich, wenn ich da fordernde Asanas machen darf. Nicht um ein besserer Mensch zu werden, sondern um den Geist zur Ruhe zu bringen und Spaß an den Bewegungen zu haben.

In ungewöhnlichen Armbalancen zum Beispiel kann ich nicht daran denken, was Kind wohl grade macht, wieso irgendwo jemand hämmert oder was die Frau vor mir für eine Hose anhat. Ich bin ganz bei mir, lausche ein meinen Körper und finde heraus, wie ich mein Gewicht am besten verlagere. Diese Bilder eignen sich auch nicht für Instagram, sieht bestimmt merkwürdig aus, was ich da mache. Ist aber egal, denn es ist nur für mich und es macht Spaß.

Mal etwas zu probieren, was ich sonst nie oder nur selten mache, kann mich auf ganz neue Gedanken bringen. Von „eh, wie soll das denn gehen??“ hin zu „aha, ich muss mein Gewicht einfach mehr nach links verlagern“ und schon wird möglich, was ich mir gar nicht hätte vorstellen können. Manchmal ist es dann doch einfacher, als ich dachte. Ich muss nur den Weg gehen.

Und davon profitiere auch ich als Mutter. Auch da finde ich viele Situationen, in denen ich von „nein, das geht auf gar keinen Fall“ hin zu „ok, wir probieren das einfach mal“ gelange. Auch als Mama verlasse ich oft meine Komfort-Zone, gehe neue Wege und wage Veränderungen. Mein Kind fordert mich täglich dazu heraus.

Voraussetzung für die Asana ist natürlich immer, Dir tut nichts weh, Du hast keine Verletzungen und gehst auch wirklich nur so weit, wie Du es Dir in diesem Moment zutraust. Und manchmal musst Du Angst loslassen oder den inneren Schweinehund besiegen, manchmal ist tatsächlich noch nicht da, wo es hin soll. Bleibe auf dem Weg, bleibe in Deiner persönlichen Erfahrung und beobachte Deine Gedanken und Emotionen. Und damit darf Yoga und Mama-Sein auch ruhig einmal akrobatisch werden.

Viel Spaß!